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Ziel des Netzwerks

Ein wichtiges Thema anhaltender Debatten der internationalen Sozial- und Humanwissenschaften ist, wie Wissenschaft in und über bestimmte Regionen im globalisierten 21. Jahrhundert durchgeführt werden sollte, insbesondere unter Berücksichtigung der mehrdimensionalen Ströme von Menschen, Gütern und Ideen. In diesem Zusammenhang wurden die konventionellen Regionalstudien berechtigterweise kritisiert, da sie Untersuchungen auf territorial festgelegte „Container“ begrenzen, ein „westliches“ Weltbild auferlegen und es außerdem vernachlässigen, sich mit den so genannten systematischen Disziplinen wie Wirtschaftswissenschaften, Soziologie oder Anthropologie auseinanderzusetzen.

Als Reaktion auf diese Kritik fordert und entwickelt das Kompetenznetzwerk Crossroads Asia neue Perspektiven auf interdisziplinäre Forschung der Regionalwissenschaften. Das Netzwerk setzt sich aus sechs Forschungseinrichtungen mit jeweiliger regionaler Expertise zusammen, welche Afghanistan, Kasachstan, Kirgistan, Nepal, Nord-Indien, Pakistan, Tajikistan, Usbekistan und Xinjiang abdeckt. Ziel ist es, das Verständnis von Interaktionen von Individuen in Verbindung mit Orten zwischen Ost-Iran und West-China sowie dem Aralsee und Nord-Indien zu vertiefen. Dabei wird versucht dazu beizutragen, die Vernachlässigung nicht-westlicher Epistemologien, Einblicke und Formen der Wissensgenerierung zu überkommen sowie Lücken zwischen den systematischen Disziplinen und Regionalwissenschaften zu schließen.

Die Forschung innerhalb des Netzwerks hat sich auf den Figurations-Begriff konzentriert, verstanden als spezifische kausale und funktionale Verbindungen, welche soziale Konstellationen (bspw. familiär, religiös oder wirtschaftlich) bilden. Während der ersten Förderphase des Projekts (2011-14) stand die empirische Forschung zu Figurationen auf Mikro-Ebene mit drei thematischen Konzepten in Verbindung: Konflikt, Migration und Entwicklung. Seit 2015 und dem Beginn der zweiten Förderphase werden die früheren Erkenntnisse synthetisiert. Hierbei beginnen wir mit weiterführenden Analysen zur Konstruktion von räumlichen Realitäten durch Bewegung und Austausch von Menschen, Gütern und Ideen und gehen der Frage nach, wie diese entstehenden Konstruktionen – mit ihren limitierenden Grenzen – Mobilität ermöglichen und beschränken. In diesem Kontext werden sowohl physische und soziale, wie auch imaginierte/mentale Mobilität berücksichtigt. Unsere übergeordneten Forschungsfragen sind: Wie erlangen Grenzen ihre Bedeutung? Und was führt im Umkehrschluss dazu, dass diese Bedeutungen verändert werden oder sogar verloren gehen? Welche Faktoren tragen außerdem innerhalb geografischer, politischer, sozio-kultureller und sonstiger Grenzen zu Immobilität bzw. Grenzüberschreitungen bei?

Basierend auf umfassender empirischer Forschung und deren vielfältigen Analysen verfolgen wir das Ziel, gemeinsam eine „Crossroads Perspective“ zu erarbeiten, um somit komplexe Netzwerke und Verbindungen mit ihren räumlichen Dimensionen zu verstehen. Diese nicht-normative Auswahl von konzeptuellen und methodischen Instrumenten, welche allesamt dazu dienen, Forschung über fließende, dynamische und komplexe Phänomene zu ermöglichen, werden wir auf unserer Konferenz, einem Workshop, in Veröffentlichungen (u.a. einem Lehrbuch zu Regionalstudien) und in der Lehre (allen voran dem Masterprogramm „Global and Area Studies“ an der Humboldt Universität Berlin, einem Netzwerkpartner) genauer erläutern. Die „Crossroads Perspective“ wird aus einem methodischen Ansatz („Follow the Figuration“) und einer ethischen Komponente bestehen, um Forscher_innen der Regionalstudien dabei anzuleiten, über ihre eigene Position in Bezug zu den Subjekten sowie die Auswirkungen der eigenen Forschung zu reflektieren. Die „Crossroads Perspective“ wird ebenso ein Toolkit an Konzepten enthalten, welche sich in unserer empirischen Analyse als robust erwiesen haben, beispielsweise bei der Untersuchung von Grenzprozessen in Kaschmir, grenzüberschreitendem Bazaar-Handel zwischen Kirgistan, Kasachstan und China oder Baloch-Netzwerken in Afghanistan, Pakistan und Iran.

Die folgende Darstellung gibt einen Überblick über die aktuellen Arbeitspakete innerhalb des Crossroads Asia Netzwerks. Zusätzlich gelangen Sie über die unten stehenden Links direkt zu den ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Arbeitspakete.

Evaluationsbericht des Kompetenznetzwerks für das BMBF